Datum : 23.07.2018
Uhrzeit: : 04:05 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : I - Between Two Worlds
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I - Between Two Worlds
  »Trackliste
1. The Storm I Ride
2. Warriors
3. Between Two Worlds
4. Battalions
5. Mountains
6. Days Of North Winds
7. Far Beyond The Quiet
8. Cursed We Are

Release: 2006
WERTUNG
6 /6 Sternen
Stil: Black Metal
Laufzeit: 42.39 min
Format: CD Audio
Label: Nuclear Blast Records Kommentar / Userwertung eintragen

 

Bathory und Motörhead: Zwei Bands, die mich in meiner bisherigen schwermetallischen Lebenslaufbahn mehr als entscheidend geprägt haben. Quorthon, der zwei Genres (!!) mitbegründet und Götteralben wie „Under The Sign..“ oder „Twilight Of The Gods“ veröffentlicht hat, die mich nach wie vor ungemein faszinieren und beim Hören eine Gänsehaut verursachen. Auf der anderen Seite Lemmy. Der Mann hat keine Gottalben veröffentlicht, der Mann IST Gott. Punkt. Wer den Spirit von Motörhead nicht versteht, wird den Spirit von Metal und Rock´n Roll nie verstehen. Der ein oder andere mag sich bereits jetzt fragen, worauf zum Teufel ich eigentlich hinaus will. Es gibt da noch eine Parallele zwischen der Warze und dem menschenscheuen Schweden. Unzählige Nieten haben versucht, ihre Bands zu kopieren. Und die meisten sind, wie sollte es auch anders sein, kläglich gescheitert. Dementsprechend groß war meine Skepsis, als das Projekt „I“ von Abbath von Label- und Presseseite im Vorfeld als „gelungene Symbiose aus MOTÖRHEAD, BATHORY und IMMORTAL“ gefeiert wurde.

Ach ja, Immortal. Ich vergaß eine wichtige Komponente. Es war klar, dass „I“ auch Immortal Einflüsse enthalten würde, allein schon, weil Demonaz immer noch ins Song- und vor allem Textwriting involviert ist. Wie stark der Immortal Einfluss dann tatsächlich ausgefallen ist, hat mich schon überrascht, da unter dem Banner ja nicht nur Immortal, sondern auch Sahg, Enslaved und Gorgoroth Mitglieder vereint sind, allesamt exzellente Musiker. Aber wie den Credits zu entnehmen, haben Abbath und Demonaz das Songwriting nicht aus der Hand gegeben. Immortal haben ihren Legendenstatus natürlich völlig zu Recht, auch wenn ich sie nicht auf eine Stufe mit Bathory oder Motörhead setzen würde, so war und ist ihr Einfluss doch nicht minder groß. Die jüngere Vergangenheit der Band betrachte ich persönlich etwas kritischer und auch der nun anstehenden Reunion stehe ich mit einiger Skepsis gegenüber. Was zählt, ist aber die Gegenwart und das ist zumindest momentan noch „I“. Schade, dass von der Band vorläufig noch keine große Live-Präsenz zu erwarten ist, denn nach dem Debut-Gig in Norwegen konzentrieren sich die einzelnen Musiker erstmal wieder auf ihre Hauptbands. Mit „I“ präsentiert sich Abbath nach seiner Kreativpause nun als endgültig reifer Musiker. „Between Two Worlds“ ist makellos. Fast. Alle Stärken von Immortal werden auf diesem Silberling vereint und auch die vorher groß angekündigten oben ausführlich benannten Einflüsse finden sich wieder. Und zwar nicht als dreister Ideenklau, sondern als würdige Adaption und Fortführung des musikalischen Erbes dieser Gottbands. So Leid es mir für alle Immortal-Hasser tut, sollte Abbath sich künstlerisch so weiterentwickeln, wird er eines Tages den gleichen Status wie sein großes Vorbild Quorthon genießen. „Between Two Worlds“ ist das beste Immortal Album, das die Band nie geschrieben hat.

Die Scheibe enthält unzählige Perlen, lediglich der Titelsong fällt qualitativ etwas ab im Vergleich zum Rest, da er etwas monoton und stimmungslos vor sich hinstampft, aber immer noch so gut ist, dass ich wette, dass jede noch so untalentierte Möchtegern-Garagen-Gerümpel-Black Metal Band ihre Seele dafür verkaufen würde. Ansonsten nehme man beispielsweise den grandiosen Opener „Storm I Ride“, den man sich übrigens auch auf der Myspace-Seite der Band zu Gemüte führen kann, ein dreiminütiger Arschritt-Black´n Roller vom Allerfeinsten oder das sehr Immortal-lastig vor sich hin hämmernde „Battalions“. Wenn die neue Immortal Scheibe solch ein Niveau haben sollte, werde ich mich im Sommer vor Ehrfurcht in den Wacken Schlamm werfen, um dieser Band zu huldigen. Die Bathory-lastigsten Songs sind „Warriors“ (hier klingt Abbaths Gesang sowas von nach Quorthon, dass man geneigt ist, sich zu fragen, ob die Legende von den Toten zurückgekehrt ist), „Mountains“ (mit ebenfalls Bathory-würdigem Gitarrensolo) und „Far Beyond The Quiet“, ein Song, der mir mit seiner epischen Schönheit und Erhabenheit fast Tränen der Rührung in die Augen treibt. Dazu bleibt aber keine Gelegenheit, denn „Cursed We Are“ bläst zum Schluss noch mal alles weg und lässt das Album so genial ausklingen, wie es beginnt. Das Riffing und vor allem der Refrain ist unglaublich heavy. Ein wunderbarer Schluß für ein hochklassiges Album, das in bereits 10 Jahren als Klassiker gelten dürfte. Und das nenne ich keine gewagte Prognose. Um meinen Lobhuldeleien mal ein Ende zu bereiten, hier also das finale Urteil, dass nur lauten kann wie folgt: Absoluter Pflichtkauf!! Für mich persönlich DAS Album des Jahres 2006.

P.S.: Allen Vinyl-Fans sei geraten, sich die auf 1000 Einheiten limitierte LP-Ausgabe von „Between Two Worlds“ zu sichern. Hier sind zwei weitere hochklassige, atmosphärische Tracks enthalten, bei denen lediglich Abbaths Gesang etwas schwächelt. Es lohnt sich aber trotzdem. Kauft mehr Schallplatten!!


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