Datum : 17.08.2017
Uhrzeit: : 03:43 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : DIE! - Stigmata
» DIE! - Stigmata
Homepage : www.die-music.de
 

DIE! - Stigmata
  »Trackliste
01. Lass es regnen
02. Setz' die Segel
03. Heiß
04. Engel weinen
05. Ein Teil von mir
06. Sandmann
07. Blut, Schweiß & Tränen
08. Du lässt dich gehen
09. Wie ein Schrei
10. Überleben
11. Tanz mit mir
12. Out of the Dark (Falco Cover)
13. Lass es regnen (Radio Edit)

Release: 2006
WERTUNG
0.5 /6 Sternen
Stil: Neue deutsche Härte
Laufzeit: 55.45 min
Format: CD Audio
Label: Black Bards Entertainment Kommentar / Userwertung eintragen

 

Wie beginnt man am besten ein Review, wo man am liebsten garnicht auf die Musik eingehen will, sondern sich von Anfang bis Ende einfach über die Präsenz einer Band aufregen könnte? Die Frage habe ich mir bis gerade gestellt und kam zum Ergebnis zuerst mal die Verriss-Sau rauszulassen und dann, nachdem die wütend wund getippten Finger abgeschwollen sind, die CD aus dem Player zu nehmen, einmal kräftig draufzuscheißen und sie dann zusammen mit Case, Inlay und Booklet in einem Fegefeuer aus Benzin zu verbrennen. Was mich so wütend macht? ALLES!

Es gibt genügend Bands die kopieren, oder die sich "stark beeinflussen" lassen. Aber die Dreistheit mancher Bands treibt einen einfach in die Weißglut. "Die!" ist ein Extrembeispiel dafür. Zwar mag die Scheibe von außen aussehen, wie ein Nu-Metal (*kotz*) Schmierfinkenwerk, doch stellt sich als etwas noch viel Schlimmeres heraus. Ja, sogar schlimmer als Metalcore! Was einem hier verkauft wird, ist eine 100% Kopie der deutschen Kultband "Rammstein". Ob man Rammstein nun mag oder nicht, sei nun irrelevant. Wichtig ist, das "Die!" generell einfach mal boykottiert werden sollten.
Schon im Cover fängt es ganz dreist mit der Kopiererei an: Auf dem Band-Picture, auf dem die 4 Banausen zu sehen sind, erkennt man beinahe erschreckende Ähnlichkeiten zu Rammstein. Die Staubbedeckten, mit Asche benetzten Jungens, regen einen optisch schon so auf, dass man die Lust bekommt die CD den veraschten
Bandmembern im Booklet mit der Hilfe eines Heißofens gleichzustellen.
Schaut man sich die Titel an, die hier auf der Rückseite des Cases abgedruckt sind, könnte man glatt meinen, man hätte eine Rammstein Best-of in der Hand. Songtitel wie "Engel weinen", "Sandmann", "Blut, Schweiß und Tränen" oder "Heiß" lassen den Verdacht offen, die Jungs hätten einfach die Lieblingssongs ihrer Idole mal neu zusammengewürfelt, oder in noch viel abgedroschnere Buchstabengewänder gepackt. (Mal am Rande: Ich rege mich hier zunehmend mehr auf, ohne auch nur ein Wort zur Musik gesagt zu haben ... Wird mal Zeit!)
Zur Musik (da bin ich ja!): Musikalisch wird genau das geboten, was man jetzt schon vermutet. Neue deutsche Härte die sich anhört, als hätte man Oomph! und Rammstein vermischt, ihnen den Druck weggenommen und dafür eine gehörige Packung Langweile untergemischt. Das Sängerlein klaut sich einfach mal Till Lindemanns Stimme und dazu auch noch seine Demo-Versionen schlechter, nie veröffentlichter Texte. Da hat sich Till schon die Hände gerieben, dass sein lyrischer Durchfall Gott sei Dank nie in die Öffentlichkeit geschmissen wurde und dann kommt so eine Band wie "Die!" vorbei und durchsucht seinen Mülleimer nach genau sowas, was sich zu nem Lied machen ließe. Tja. da hat selbst seine Feuerwehrmann- und Pyrotechniker-Ausbildung nichts gebracht.
Musikalisch bedient man sich genau den Elementen, die die oben genannten Bands auch nutzen: Industrial-Gitarren und Drums, undefinierbare Keyboardsounds, die aus einem Techno-Lied stammen könnten und ein rollendes "R". Meine Geliebte, die ihre Ausbildung zur Logopädin beendet, hat mir mal gezeigt, wie man ein rollendes "R" lernen kann. Gut zur Übung dessen, ist oft hintereinander das Wort "bRot" oder "bdot" schnell und oft hinterienander zu sagen. Übt man brav, formt sich aus dem "bd" irgendwann ein rollendes "R". Der Die!-Sänger hat zu wenig geübt.
Was noch? Die Produktion ist ok. Aber was bringt es einem Album, das einfach vom Ursprung bis zur letzten Sekunde Durchfall ist. Doch muss ich hier meine Anschludigung, die Jungs kopieren Rammstein in jeder Hinsicht zurückziehen. Denn die Stoßfelsen klingen wesendlich fetter. Das liegt wahrscheinlich an den Gitarren, die hier bei Die! weder schön im Vordergrund sind, noch etwas irgendwie interessantes spielen. Da halten sich die Stirb!s an Oomph!. Übrigens erkennt man hier, woher sich das Quartett das Ausrufezeichen geholt hat, welches hinter dem völlig sinnfrei gewälten Bandnamen steht. Ursprünglich hatten Oomph! nämlich mal zwei, aber da kamen die bösen Die (man merkt, ohne Ausrufezeichen wird der Name noch lächerlicher) und haben ihnen eins geklaut. Dreist! Böse! Gar evil!
Die 13 Titel Laufen einfach runter ohne jeglichen Eindruck zu hinterlassen. Und nicht nur das! Es sind nichtmal 13 vollwertige Lieder. Nummer 12 ist ein Cover Falcos "Out of the Dark" und als 13. Song haben sich die Die!s was ganz Innovatives ausgedacht: EINE RADIO-EDITION DES ERSTEN STÜCKS "LASS ES REGNEN!" Scheiße, NEIN! Jeder Die!-Fan (also alle 3) leckt sich die Finger nach solch einem Leckerbissen. Und mal abgesehen davon ist die Idee Falco zu beklauen, ehh, Covern nichts Neues. Die Sido-Masken-Träger "Stahlhammer" haben es damals mit dem Klassiker "Jeanny" gemacht, was ihnen sogar recht gut gelungen ist. Ok, auch Die!s Cover kann man durchaus was abgewinnen, aber trotzdem ist es einfach nichts Neues.
Als Schmankerl schenkt man dem fanatischen Die!-Fan auch noch einen Studiobericht und ein Making of von Stigmata. Nach den 9 Minuten des vollkommen langweiligen Videos sind meine Kräfte des Zrückhaltens am Ende und ich kann nicht anders, als die CD zusammen mit Booklet und meinen Exkrementen darauf in den Papierkorb zu schmeißen.

Fazit: Ein paar Worte zu der Einstellung der Band: Musiker ist man, weil man musiziert und ich finde, dass es ein Hobby ist, mit dem man Geld machen kann, aber nicht muss. Sofern man Musik als Produkt verkauft, ist es für mich nicht mehr musizieren, sondern produzieren. Worauf ich mich hier beziehe sind die Worte, die "Die!" auf ihrer Seite ablassen, was ihre Ziele angeht. "Bisschen mehr Kohle machen", "Ein wirklich großer Hit" oder "Mit DIE! mal Geld zu verdienen" sind für mich keine Wünsche eines Musikers, sondern die eines Verkäufers. Musik ist für mich (und ich denke auch viele Andere) immernoch eine Kunstform. Und genau durch solche Bands wie diese hier wird genau dieser Aspekt, nein Grundgedanke ins Nichts gezogen.
Meine letzten Worten gelten der Band selbst: Die!


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