Datum : 17.08.2017
Uhrzeit: : 03:42 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Holy Martyr - Still at War
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Holy Martyr - Still at War
  »Trackliste
1. Legion’s Oath (March Of The Legionaries)
2. Vis Et Honor
3. Ares Guide My Spear
4. Warmonger
5. Hatred Is My Strength
6. From The North Comes The War
7. Hadding Garmsson (Son Of A King)
8. Ave Atque Vale

Release: 2007
WERTUNG
4.5 /6 Sternen
Stil: Epic Metal
Laufzeit: 50:04 min
Format: CD Audio
Label: Dragonheart Records Kommentar / Userwertung eintragen

 

Warum glaubt eigentlich derzeit jeder, dass guter alter Thrash Metal das nächste große Ding wird? Keine Frage, wünschenswert wäre dieser Umstand zweifelsohne und das Wiedererstarken einstmaliger Genre-Größen sowie das Aufkeimen frischer junger Bands, die den alten Sound für sich entdecken, sind eindeutige Indizien. Was jedoch in den letzten Monaten mindestens genauso deutlich, von den szeneinternen Mainstream Medien aber kaum beachtet, wird, ist das erneute Aufleben einer Musikrichtung, welche so mancher von euch wohl schon in Mutter Erde verschachert glaubte. Die Rede ist natürlich vom lang vermissten Epic Metal und zwar nicht in der Ausrichtung, wie ihn viele mit Bombast überladene Power Metal Bands zocken, sondern jener, wie ihn in der guten alten Zeit solche US-Giganten wie frühe MANOWAR, VIRGIN STEELE und natürlich die unsterblichen MANILLA ROAD einst zockten.

Neben einigen nationalen Vertretern dieses Genres haben es mir in den letzten Monaten besonders die Italiener von HOLY MARTYR angetan, die bereits vor zwei bzw. fünf Jahren mit ihren jeweils selbst produzierten und vertriebenen EPs „Hatred and Warlust“ und „Vis et Honor“ für mächtig Furore im Underground sorgten. Nun liegt mit „Still at War“ endlich das lang ersehnte Debütalbum vor. Die Scheibe bringt es trotz ihrer acht Songs auf eine Gesamtspielzeit von über fünfzig Minuten und unterstreicht bereits damit die Ansprüche des gemeinen Homo Epicus Metallicus. Das Intro „Legion’s Oath“ klingt zwar wie eine lateinische Form von „Warrior’s Prayer“ bzw. „Glory Majesty Unity“, tut aber nichts zur Sache, da eine gehörige Portion Pathos schließlich zum Epic Metal gehört wie das sprichwörtliche Salz in der Suppe, nur dass man ohne das Hintergrundwissen des kleinen Latinums in diesem Fall nichts von dem Salz versteht. Vom folgenden, bereits von der letzten EP „Vis et Honor“ bekannten, versteht man, dank dem Anglosächsischen, schon mehr, eine solide stampfende Nummer mit mitsing-tauglichem Chorus. Man stelle sich eine Horde Thorshammer behängter Metalheads vor, die laut „Ave ave Roma“ brüllt – Ironie kann so herrlich sein. Auch das folgende „Ares guide my Spear“, ein alter Bekannter, überzeugt im Vergleich zu seinen Vorgängerversionen jedoch mit einer deutlich aufpolierten Produktion, klingt irgendwie nach einer Mischung aus alten MANOWAR und CLOVEN HOOF. Das flotte „Warmonger“ weckt Erinnerungen an IRON MAIDEN, auch wenn die Italiener nicht ganz so vertrackt vorgehen wie die eisernen Jungfrauen. Nicht vergessen werden soll insbesondere die Leistung von Sänger Alex Mereu. Der klingt wie der uneheliche Sohn von Blaze Bayley und Messiah Mercolin. ohne jedoch in kitschige Gefilde zu rutschen. Der mit über zehn Minuten längste Song „Hatred is my Strength“ stellt sowohl die Stärke als auch die größte Schwäche dieser Veröffentlichung dar. Zwar ziehen die Jungs hier alle Register ihres Könnens und besonders die Gitarrenfraktion weiß zu überzeugen, leider ist das Stück über weite Strecken aber mehr als berechenbar. Mit dem einfach gestrickten, aber ohne Ende ballernden Mid-Tempo Song „From the North comes the War“ (unsterblicher Chorus, beeindruckendes Solo), wenden die Jungs sich kurzzeitig von den römischen Legionen ab und besingen, wen wundert es, ein wenig die ach so bösen Berserker aus dem hohen Norden. „Hadding Garmsson (Son Of A King)“ erinnert oft und gern an das fast schon psychodelische Gitarrenspiel von CIRITH UNGOL und weist Parallelen zu den Kollegen von DOOWMSWORD auf, in deren Studio die Scheibe übrigens produziert wurde und deren Drummer sich für einige produktionstechnische Kniffe verantwortlich zeichnete, ohne jedoch deren Klasse zu erreichen. Das abschließende „Ave Atque Vale“ forciert zu einer wahren Kriegerhymne und lässt vor dem geistigen Auge römische Legionen aufmarschieren, die mit gezückten Kurzschwertern in die Schlacht ziehen. Musikalisch handelt es sich dabei um einen Mid-Tempo Kracher, bei dem einmal mehr die Stimme von Frontmann Alex hervorsticht.

Fazit: Auch wenn hier große Namen Pate standen, reicht das Material des Italo-Fünfers bei weitem nicht an diese heran. Womit ich diese Scheibe aber auf keinen Fall schmälen will. Das Material bietet soliden kurzweiligen Epic Metal Spaß und hier und da echte Rohdiamanten, die die Band auf ihren kommenden Veröffentlichungen durchaus zu schleifen vermag. Die Produktion ist top, die Jungs beherrschen ihre Instrumente und inhaltlich wird, neben den obligatorischen nordischen Götterhimmel, vor allem den antiken Göttern des Mittelmeerraumes samt Schlachtenjubelarien und Lyrics voller Heil und Ehre gehuldigt. Sollte sich das Songwriting in Zukunft noch etwas verbessern, sehen wir hier das erste Aufleuchten eines neuen Sterns am Epic Metal Himmel. In diesem Sinne, Senatu Populoque Romano.


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