Datum : 15.12.2017
Uhrzeit: : 14:46 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Ahab - The Call of the wretched Sea
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Homepage : www.ahab-doom.de
 

Ahab - The Call of the wretched Sea
  »Trackliste
1. Below the Sun
2. The Pacific
3. Old Thunder
4. Of the monstrous Pictures of Whales
5. The Sermon
6. The Hunt
7. Ahab`s Oath

Release: 2006
WERTUNG
6 /6 Sternen
Stil: Doom Metal
Laufzeit: 67:34 min
Format: CD Audio
Label: Napalm Records Kommentar / Userwertung eintragen

 

Der Grund, warum ich mir das Album damals zugelegt habe, lag nicht hauptsächlich darin, dass ich mich groß mit der Musik beschäftigt hatte oder generell ein großer Doom Metal Fan bin, sondern weil das Cover so verdammt geil aussieht. Kinuko Y. Crafts (www.kycraft.com) Zeichnung ist nicht nur beeindruckend verspielt und detailreich, sondern fasst in einem Bild zusammen, welche Stimmung sich sofort auf die Seele des Hörers stürzt und welche Atmosphäre ihn von der ersten Sekunde an umspinnt. Düster, verschwommen, dramatisch und hoffnungslos geht’s hier zu. Um das noch mal zu unterstreichen und es noch mal deutlicher zu sagen, steht im Inlay in großen, unübersehbaren Lettern „Nautik Funeral Doom“. Und besser hätte man den Stil auf der Scheibe nicht beschreiben können.
Es ist ein Konzept-Album einer Konzept-Band. Das generelle Thema ist Herman Melvilles philosophische, historische Erzählung „Moby Dick“, dessen Handlung eigentlich jedem bekannt sein sollte. Wer´s nicht kennt, sollte spätestens JETZT (!) auf Wikipedia gehen und sich eine kurze Zusammenfassung des Romans durchlesen (um diesen Prozess zu beschleunigen: http://de.wikipedia.org/wiki/Moby_Dick). Aber eigentlich sind die Texte ja eh egal, da es ziemlich unmöglich ist, im Funeral Doom bzw. Death Doom ein Wort aus dem Gegrunze der Vocalisten zu erhaschen. Jedoch sollte man sich der Handlung und Bilder im Klaren sein, weil genau dann die Musik am besten erfasst und vor dem malerischsten Hintergrund erscheint. Hinlegen, Augen schließen oder zumindest alle Lichter ausmachen ist ein Muss. Die Musik ist keine Entspannungsmusik, aber man träumt sich in düstere Träume des verrückten Ahab, dessen Irrsinn seine komplette Crew in den Tod hineinstürzt, obssesiv, besinnungslos und fiebrig, wie die an Skorbut leidenden Seemänner der Pequod, deren durch das Salzwasser gerötete Augen keinen klaren Blick mehr erlauben.

“Below the Sun” beginnt mit einem stimmungsvollem Intro, das Walgesängen ähnelt und einen etwas sanfteren Einstieg in die Welt Ahabs zulässt. Nach mehreren Minuten beginnen auch die Gitarren, sich unter abgrundtiefen Klängen durch den Raum zu schieben. Wie Wellenstöße bahnen sich hier tonnenschwere Riffs an und umhüllen den Hörer in Klangtiefen eines erbarmungslosen Doom Metal Meeres. Doch durchbricht irgendwann ein Funke Licht die schwarze Wasseroberfläche, derer man sich zu entziehen nicht möglich sieht. Es strahlt in Form einer solierenden Lead-Gitarre zu einem herunter, durchbricht die disharmonische Kälte und zeigt sich in heroisch gütiger Melodie, welche leider viel zu früh endet und einen weiter tief hinab ins Meer sinken lässt ...
... Wie das Pochen eines Herzes im Moment des Erstickens erwacht man bei „The Pacific“. Der härteste Song auf dem Album, dessen Düsternis eine Unendlichkeit zu füllen scheint. In akustischer besserer Weise ist es wohl kaum möglich, das Meer so darzustellen. Die Gitarren, deren hallender Klang wie das Quietschen von schweren Schiffsschrauben klingt, wie das Dehnen und Zusammenziehen von Metall unter dem eisigen Wind der See und das unsagbar tiefe Grunzen des Sängers Daniel Droste bannen den Hörer in einer Parallelwelt, dessen Dunkelheit kein Licht erlaubt.
„Old Thunder“ ist ein Song, der in sich selbst ein monumentales Werk darstellt. Das Intro mit tiefer, warm klingender Akustikgitarre bietet eine Verschnauf- und Träumpause für den erschöpften Seemann. Man scheint, sobald Lead-Gitarre und Schlagzeug sich dazugesellen, beinahe schon gute Laune zu bekommen, bis jeder Hoffnungsschimmer zu Staub zertreten und in der Seeluft davongetragen wird. Rammende Gitarrenriffs, welche bei jeder 1 und 3 des 4/4 Takts bei ca. 30 bpm bedrohlich anrollen, hauen selbst den stärksten Seebären um. Und wenn dazu noch die Chöre des Keyboarders, der auch seine Finger bei der vollkommen entgegengesetzt gerichteten Band „Midnattsol“ an den Tasten hat, dazukommen, fängt man fast an, Vergleiche zu Bathory zu ziehen. Aber das hier, meine Freunde, ist um längen schwärzer, düsterer. Gänsehautstimmung, jedes Mal, wenn sich ein neues Riff, manchmal melodiös, manchmal erbarmunslos hart, herauskristallisiert.
Nachdem man Ahabs Holzbein auf dem Deck von „Of the monstrous Pictures of Whales“ klacken hören hat, wird man von „The Sermon“ mitgerissen. Ein recht abwechslungsreicher, dafür aber weniger monumentaler Song als „Old Thunder“. Trotz allem wird man hier mit Chören verwöhnt und versinkt in einem laaaaaaaaaaaaaaangsamen Groove, der sich in mehreren Riffs abzeichnet und ein ebenso laaaaaaaaaaaaaaangsames Nicken mit dem Kopf erzeugt.
„The Hunt“ kommt „Old Thunder“ recht nahe und wirkt ein bisschen wie eine Resumee des auf dieser Scheibe Erlebten. Melodien, Disharmonien, echte Chöre, liebevoll eingesetzte Keyboards und tiefschwarze Stimmung. Die Produktion ist ab hier ein wenig anders. Alles wirkt noch düsterer, noch schwärzer und irgendwie „dunkler“.
„Ahab`s Oath“ ist das Ende. Ein Schwur auf den Wahnsinn, auf die Obsession und das letzte Kapitel des Albtraums, unter dem sich der gespannte Hörer windet. Hier wird noch mal das letzte bisschen Doom aus der Musik herausgekitzelt. Der mittlerweile ermattete Hörer versinkt ein letztes Mal in die Rolle eines Seemannes der Pequod und noch mehr wäre zu viel für einen Menschen. Hier wird genau im richtigen Moment das Ende gesetzt. Ein perfekter Abschluss für die gelungene Mischung aus Ambient und Doom Metal.

Die Produktion ist astrein. Ich hab noch nie so einen passenden Sound für etwas gehört. Das Zusammenspiel der Instrumente kann man wohl als „perfekt“ beschreiben. Nirgends wirkt es über- oder gar unterproduziert. Ein ziemlich organischer Haufen tiefschwarzer, atmosphärischer Musik, die, begleitet von dem abwechslungsreichen Gesang, nicht hätte besser in Szene gesetzt werden können. Abgrundtiefe Grunts, heroische Chöre und ein mitreißender Clean-Gesang zeugen von musikalischer Fähigkeit des Trios und beweisen mir seit langem mal wieder, dass es Atmo-Bolzen wie Bathory auch außerhalb von Bands wie den unübertrefflichen Summoning gibt.

Fazit: Ja, das Review ist lang. Ja, ich schweife gerne ab. Ja, ich liebe Pathos. Aber Leute! Das ist Heavy Metal! Und Ahab? Die sind Funeral Doom Metal wie er einzigartiger, besser und atmosphärischer nicht sein könnte. „The Call of the wretched Sea“ ist ein monumentales Werk, welches ich selbst Leuten wie mir, die Doom Metal eigentlich strunzöde finden, ans Herz legen kann. Das ganze Album ist eine perfekte Komposition aus dem besten, was Metal an sich so zu bieten hat. Klar ist es nichts, was man sich mal eben anhören kann, aber ehrlich gesagt, ist es fast schon zu schade, die Platte rotieren zu lassen, wenn man nur einen Song hören will. So, genug gelabert. Ich lass die Scheibe noch mal laufen und begebe mich auf Waljagd. WHALE AHEAD!


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