Datum : 15.12.2017
Uhrzeit: : 14:47 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Widespread Lingo - Blockheads
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Homepage : www.widespredlingo.com
 

Widespread Lingo - Blockheads
  »Trackliste
01. Backstabbers
02. 4U
03. Pretty
04. Hard Way
05. Bad Kid
06. Catch my Baggage
07. Parasite
08. Blockheads
09. Not blind
10. Seventeen
11. Black Heart
12. Opium

Release: 2007
WERTUNG
4.5 /6 Sternen
Stil: Hard Rock
Laufzeit: 42:04 min
Format: CD Audio
Label: Selfreleased Kommentar / Userwertung eintragen

 

Wenn man so in einer Band spielt und hin und wieder auf ner Bühne steht, lernt man immer wieder neue Leute und andere Bands kennen. Meistens sind die Bekanntschaften nett, man unterhält sich über das gemeinsame Medium und über Gigs, erzählt sich lustige On-The-Road-Storys und man knüpft schnell interessante Kontakte. So eriging es mir mit den Jungs von Widespread Lingo. Gemeinsam im Vorprogramm der Apokalyptischen Reiter lernten wir uns im Backstage kennen und prompt kam mir die Idee, von einem Review des neusten Werks der Stoner Rocker, die mit 3-Tage-Bart, teils grauem Haar (was ihre Männlichkeit nur unterstützt) und charakterstärkenden Falten im Gesicht schon einigen Bühnen in ihrer Laufbahn gesehen haben.

"Blockheads" ist von der Aufmachung schlicht. Kein Booklet, kein besonderes Cover, keine unsinnigen Gimmicks, sondern ein ordentliches, silbernes Scheibchen in einem Digipack. Für die 12 hochwertigen Rock Songs (mit Hoden!) blecht man lediglich 10 lächerliche Euro und wird mit einer qualitativ sehr guten Produktion belohnt ... und das, obwohl die Band die Produktion auf eigene Faust finanziert hat.
Der true Metalhead von Welt, der auch was auf sich hält, hört, wenn er im Auto (oder auf dem Motorrad) sitzt eigentlich WASP, Accept, Twisted Sisters, Motörhead oder Judas Priest, aber es hat sich in einer längeren Studie meiner selbst ergeben, dass auch Widespread Lingo sich perfekt dazu eignen, mit 180Km/H zu brettern und dem Frust des Tages mal ein Ventil zu geben. Denn genau dazu ist die Mucke der Jungs da: Easy-Listening Musik für Tage, an denen man verkatert aufwacht, sich zur Arbeit aufrafft und mit nem Gesicht wie Spinat (mit Blupp!) im Büro auf die Tasten hackt oder im Betrieb unter Müdigkeitserscheinungen an einer Wandverkleidung werkelt, um dann zu Hause faul auf der Haut zu hocken und sich bei ordentlich blauem Dunst und Whisky eine Entspannung zu gönnen.
Groovige Rhythmen vermischt mit ordentlich rockenden, melodischen, straighten Passagen zeichnen den Stil WL wahrscheinlich am klarsten aus. So brät die Gitarre Riffs auf den Saiten wie ein heißes BBQ im Sommer und man versinkt in eine bluesige Blaue-Stunde-Atmosphäre, die zum Chillen einlädt und ebenso auf Partys gespielt werden könnte. Stefan Vortmanns Stimme klingt ordentlich und hat etwas sehr Eigenes, ein bisschen wie Ozzy heute (mit Stimme) oder Monster Magnet.
Trotz der Lastigkeit des Stoner Rock muss man auch zugeben, hin und wieder mal metallastiges zu erkennen. So erinnert mich "Backstabber" eingangs ein wenig an Lordi oder gängige andere Hard Rock Interpreten. Aber ebenso wie es ordentlich rockt, geht´s gerne auch mal ruhiger zu. "Bad Kid" ist ein makelloses Beispiel für genau diese balladenartige Songs, die manchmal auftauchen und die Atmosphäre der Musik ein wenig ins melancholische Lenken.
Das interresanteste an Widespread Lingo ist jedoch, wie die Songs zum Mitsingen einladen. Nach dem dritten oder vierten Durchhören summt man schon mit und irgendwann hat man auch die Texte verinnerlicht und nutzt das auch aus. Besonders spürbar bei "Backstabbers", "4U" und "Not blind", die allesamt auch schnell zu den Lieblingssongs auf dem Album werden.
Ein wenig strange wirken manchmal die gesanglichen Experimente, die Sänger Stefan mit hohen, an Großmeister Vikernes erinnernden Kreischen wagt, oder seltsamen Growls, die mit Effekten unterlegt nur schwach als reale Stimmen erkennbar sind. Es ist ein etwas ungewöhnliches Element, was bei mir während des Hörens erstmals auf Verwirrung stieß, dann jedoch nach fleißigem Einstudieren der Parts beim Mitsingen peinlicherweise selbst nachgemacht wurde. Ertappt man sich dabei, ist das sehr witzig, kann ich euch sagen.

Fazit: Solide, ordentlich und kein Schnick-Schnack. Musik für den leichten Genuss, wenn mal die Nicht-Metal-Freunde zu Besuch kommen oder etwas im Hintergrund dudeln soll, während man die tägliche Strecke zur Arbeit fährt. Jedem weiterzuempfehlen, der in seinem musikalischen Horizont nicht zu sehr eingeschränkt ist und es auch mal wagt, modernere Musik an sein "empfindliches" Gehör zu lassen. Großes Lob an die feine Produktion, die fett, aber nicht steril wirkt. Sehr pralle Leistung für eine Band, die sich das alles selbst finanziert. Daumen hoch!


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