Datum : 20.10.2017
Uhrzeit: : 16:10 Uhr
   
Ruhrmetal.com / Ruhrmetal-mag.de : Review : Desaster - Satan´s Soldiers Syndicate
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Desaster - Satan´s Soldiers Syndicate
  »Trackliste
01. Intro
02. Satan´s Soldiers Syndicate
03. Angel Extermination
04. Razor Ritual
05. Hellbangers
06. Fate forever Flesh
07. Vile we dwell
08. Tyrannizer
09. Venomous Stench
10. More Corpses for the Grave

Release: 2007
WERTUNG
4.5 /6 Sternen
Stil: Thrash Metal
Laufzeit: 37:23 min
Format: CD Audio
Label: Kommentar / Userwertung eintragen

 

Es wundert mich, dass noch kein Review zum neuen Werk der pechschwarzen, Koblenzer Thrasher online ist. Vor allem, weil die komplette Ruhrmetal.com-Front enge Anhänger der mittlerweile 19 Jahre alten Underground-Verfechter ist.
Und Desaster haben sich mal verdammt Mühe gegeben, die sabbernde Menge an Metal Maniacs mit dem tiefschwarzen Stoff abzufüllen und sie „desasterous drunken“ zu machen. Wenn wir mal ehrlich sind: Diese Reanimierung des „oldschool Thrash Metals“ ist doch mittlerweile mehr Mode als ehrlich gemeintes Image. So wie der Black Metal vor ein paar Jahren das Trueste war, was es so gab und nachdem Pagan Metal kam und ging und jeder Whimp mit Equilibrium-Shirt und Thorshämmerchen sich jedes Wochenende in den Met-saufenden Wikinger „Christentod“ oder „Wotanskrieger“ verwandelt hat, kann man mittlerweile auch solche „Trendtendenzen“ in der vermeindlichen „Thrash Szene“ erkennen (so viele Apostrophe ...). Die Geschichte des Metals ist eine Geschichte von Bewegungen, Reanimationen und Wiederauferstehungen. Zusammenfassend gesagt, hat sich also so was wie eine „New Wave Of Oldschool Thrash Metal“ (kurz: NWOOTM) gebildet. An sich ja nichts Schlechtes, aber ehrlich gesagt, macht es mich ein wenig traurig, wenn ich 15-jährige sehe, die eine Kutte tragen, die älter scheint, als ich selbst bin. Na ja, aber man könnte es auch als eine Rückbesinnung auf die alten Götter nennen, woran ja eigentlich nichts auszusetzen ist. Die Jugend bildet sich! Ehm, ach ja, Desaster ... eh ... Als Flaggenträger dieser Generation junger Old School Begeisterter kann man Desaster wohl bezeichnen, die ich mit vorgehaltener Hand wohl die letzte große Thrash Metal Band nennen würde. Aber mal sehen, was die Zukunft bringt.

Desaster hauen mit Satan´s Soldiers Syndicate ordentlich auf die Kacke. Das Cover ist ausgeklappt ein umgedrehtes Kreuz, die Disc der CD ist so schwarz, wie das Innere meines Arsches und neben dem regulären Album erfreut man sich auf der CD-Version an amateurhafte Aufnahmeausschnitte eines Konzerts vom „Rock Xmas 2006“. Aber das ist noch lange nicht alles: Während der Aufnahmen des Albums gesellten sich Prosciptor der Death Black Thrash Metaller Absu, A.A. Nemtheanga von Primordial (der Name spricht für sich) und Ashmedi der ägyptischen Black Metaller Melechesh dazu, um auch ihren Senf in Form von Gastauftritten beizufügen. So spendierte uns Prosciptor das Intro, Nemtheanga sein Gekreische und den cleanen Gesang bei „Tyrannizer“ und Ashmedi ein Solo bei „Angel Extermination“, schon recht fein und nur Namen mit Bekanntheit. Ich werde noch darauf zurückkommen.
Na ja, umhauen tut mich das Intro jetzt nicht, aber ich glaube, das soll es auch nicht (außer es ist eins von Summoning). Stimmig ist es schon, aber irgendwie unpassend heroisch, vor allem wenn man dann erst mal von Sataniacs „POSSESSED BY THE TWILIGHT...“ aus dem Hocker gerissen wird. Sofort weiß man: Hier beginnt was Großes, hier kommt was Fettes und genau so und nicht anders ist es. Direkt der erste richtige Song (und auch Titelsong des Albums) ist so mit Druck und Dampf beladen, dass er sich in genau der richtigen Banggeschwindigkeit vorwärtsrammt, wie man es von Desasters „Divine Blasphemies“ kennt und liebt. Zwar war „Angelwhore“ ein eher schwaches Album, doch verzeiht man den Jungs diesen einstigen Ausrutscher, noch bevor der Song zu Ende ist. Agressiv, ballernd und nur manchmal etwas langsamer wird man hier durch die 4 Minuten geprügelt und genießt dabei alles: Von den sägenden Gitarren von Infernals eigenständigem Gitarrenspiel und dem dazu perfekt passenden Sound seines Hi-Watt Amps, vermischt mit der Ibanez. Ich lecke mir die Finger bei dem Equipment, denn das ist genau der Sound, den ich und viele Desaster-Fans so liebe/n.
Nach dem ordentlichen Nackenbrecher erwartet man einen etwas schwächeren Song. Aber nein! Den gönnen dir Desaster nicht! Direkt weiter auf die Fresse mit Polka-Rhythmus bei 200 bpm und Arschtritt-Riffing à la „Divine Blasphemies“ mit Killervocals, wie sie einzigartig im Metal sind. Sataniacs Stimme ist Gott und da kann jeder sagen, was er will, aber Okkulto war um Längen nicht so gut wie der neue Frontmann Guido Wissmann, der früher übrigens bei der Death Metal Band „Divine Genocide“ geschrien hat. Ihr könnt mich mal. So!
Jetzt muss doch mal ne Verschnaufpause kommen! Ich fange an zu betteln: „ Oh, mighty Desaster, lasst meinen Nacken doch nur eine Sekunde ruhen!“ „Nein, du Poser!“, antworten sie. Und so tötet Razor Ritual und kann alles. Neben dem Dampfwalzen-Killer-Snare-Trommelwirbel, der die Spannung in dem Song jedes mal wieder zu nem Klimax bringt, ist wohl das Beste immer wieder der viel zu geile Refraine mit Blastpart. Hammer! Aber um den armen Hörer nicht vollkommen um den Verstand zu bringen, lässt man ihn im ersten langsamen Part des Albums ein Ründchen ruhen. Aber selbst dieser Part lockt so zum Nackenwirbeln, dass man diesem Drang nicht widerstehen kann. Das geilste ist jedoch das Ende: CUT! Hört es euch an und versteht.
„Hellbangers“ ist ein triumphierendes „Hail!“ an den gleichnamigen Rhein-Mosel Heavy Metal Club. Ein 100% Party-Song. Perfekt zum Abfeiern und im Publikum bei Konzerten der totale Metal Holocaust. Wer bei „STROMBRINGERS! HELLBANGERS!“ nicht mitgröhlt, „has to be BANGED!“.
Sooo … Ein kleines Fazit bis dahin: Allein die Songs bis hier sind so mörderisch gut und aggressiv, dass man das Album direkt auf Platz 1 seines „All-time-Favorite“-Podest stellt. Jedoch beginnt ab hier ein Schnitt, der bei mir auf ziemlich viel Missmut stößt und über den ich mich ein wenig ärgere. Während die ersten Songs eher den Thrash-Knüppel haben raushängen lassen, so wird bei den Folgenden eher auf die Black Schiene gewechselt. Leider jedoch nicht so gelungen, wie man es eigentlich von Desaster gewohnt ist.
„Fate forever Flesh“ wirkt vollkommen seelenlos (im schlechten Sinne) und irgendwie so, als wären den Jungs die Ideen ausgegangen. Nichts bleibt so recht hängen, und man überhört den Song einfach. Aber ok, denkt sich der wahre Desaster-Fan und überlegt weiter: „Eine Flaute dürfen auch die sich erlauben.“
Na ja, „Vile we dwell“ ist schon eher aggressiv und erinnert an eine ähnliche Band aus der gleichen Region, aus der auch Desaster kommen: Nocturnal. Der Song ist recht komplex und klingt so ähnlich wie die „Tyrants of the Netherworld“-Zeiten. Schon eine deutliche Besserung zum lauen „Fate forever Flesh“.
Allein wegen des Titels freut man sich schon auf „Tyrannizer“, was teilweise auch berechtigt ist. Der Song ist an sich nichts Überragendes. Jedoch kann man einigen Parts nicht absprechen, das sie doch zu begeistern wissen. Es wirkt ein bisschen so, als hätte „Nemtheanga“ die coolen Parts in dem Song zu singen bekommen, vor allem wenn das Goldkehlchen zum cleanen Gesang ansetzt. Das erste Bild, das mir bei diesem Teil des Lieds in den Sinn kam, war ein Bild von Nosferatu, auf einem Berg stehend, zu einem Gefolge Vampire sprechend und wild gestikulierend. Auf jeden Fall der geilste Part bei dem Song.
„The venomous Stench“ fällt wieder mittelmäßig aus. Rauscht vorbei. Füllt nur unsinnig Zeilen.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum „More Corpses for the Grave“ auch Leitspruch für die Shirts ist. Der Song zündet nicht bei mir. Einfach ... futsch. Und so endet das Album eher lasch. Schade.

Fazit: Schade eigentlich. Die ersten Songs waren so vielversprechend, doch später wird es einfach immer schwächer. Nach Hellbangers ist kein Song mehr ein Killer, was viel zu schade ist, da Desaster doch so viel Potential gezeigt haben. Die Gastmusiker leisten gute Arbeit, doch ein wenig enttäuscht bin ich schon. Trotz allem kann man das Album als das Aggressivte bezeichnen. Mein Favorit: „Angel Extermination" . So, nu aber …. CUT!


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